Misstrauische und leicht irritierte Gesichter kommen mir auf dem Wanderweg durchs oberschwäbische Moor entgegen. Der über 4 kg schwere schwarze Kameraklotz liegt mir dabei gefühlt in der Hand wie ein gusseisernes Bügeleisen. Der laute Knall, den das Gerät verursacht schreckt bestimmt jeden Wildvogel aus seinem Versteck oder treibt andere Wildtiere aus deren Deckung. Dabei handelt es sich bei der Fairchild K-20 um eine der bekanntesten Luftbildkameras, eine Standardkamera der US Air Force. Entwickelt und verwendet im Zweiten Weltkrieg, wurde sie aber auch noch Jahrzehnte später sowohl militärisch, als auch für zivile Zwecke genutzt.

Ein mit einer Fairchild K-20 aufgenommene Fotografie erlangte traurige Berühmtheit. Am 6. August 1945 fotografierte der Heckschütze „Bob“ George R. Caron vom Bomber B-29 „Enola Gay“ den Atompilz über Hiroshima. Das Foto ging nicht nur um die Welt und wurde zu einem der bekanntesten Fotografien des 20. Jahrhunderts, sondern auch zu einem Symbol für die Zerstörungskraft und die todbringende direkten und indirekten Wirkungen von Nuklearwaffen.





Die Fairchild K-20 wurde von der „Fairchild Camera and Instrument Corporation“ entworfen, einem Unternehmen, das von Sherman Fairchild gegründet wurde. Die Firma hatte sich unter anderem auf Luftbildtechnik für militärische und kommerzielle Luftbildkartierung spezialisiert und erweiterte später ihr Portfolio im Bereich der Halbleitertechnik. Die Kamera selbst wurde dann unter anderem in Lizenz von Folmer Graflex Rochester für die US Air Force gebaut.


Die Kamera wurde einerseits auf einfache Bedienung und andererseits auf maximale Robustheit entwickelt. Der Griff dient dem Filmtransport, dem Spannen des Verschlusses und auch als Auslöser.

Die weiteren Einstellungen wie Verschlusszeit und Blende werden über zwei große Drehräder eingestellt. Das Objektiv selbst lässt sich nicht fokussieren und ist auf unendlich eingestellt. Je nach Verfügbarkeit wurden in der Fairchild K-20 Objektive verschiedener Hersteller wie Kodak, Ilex oder Bausch & Lomb verbaut. Bei meinem Exemplar ist dies ein Kodak Anastigmat mit 161 mm und einer Blende von f/4.5 bis f/22. Es gibt insgesamt nur drei Verschlusszeiten: 1/125 s, 1/250 s und 1/500 s.



Die Fairchild K-20 benötigt einen 5,25 inch breiten Rollfilm. Die Negativgröße entspricht damit beachtlichen 4×5 inch, wie man es aus der Großformatfotografie kennt.


Das laute Geräusch, das sämtliche Wildvögel aufschrecken könnte, stammt von der eingebauten Vakuum-Andruckplatte. Der Film wird beim Auslösen im wahrsten Sinne des Wortes durch kleine Luftlöcher angesaugt um eine entsprechende Planlage des riesigen Rollfilms zu gewährleisten.





Während und nach dem Zweiten Weltkrieg diente die Fairchild K-20 vor allem der Aufklärung. Piloten und Besatzungsmitglieder verwendeten die Kamera, um feindliche Stellungen, Geländeformationen und strategische Ziele aus der Luft zu dokumentieren. Diese Informationen waren entscheidend für die Planung und Durchführung von Militäroperationen. Nach dem Krieg wurde die Fairchild K-20 auch für zivile Zwecke genutzt. Sie kam bei Kartierungsprojekten, wissenschaftlichen Untersuchungen und anderen Anwendungen zum Einsatz. Dank ihrer vielseitigen Nachkriegsnutzung wurde die Kamera auch zu einem wichtigen Werkzeug jenseits des Militärs. Die Fairchild K-20 ist aufgrund ihrer Größe, ihres Gewichts, der Lautstärke und des Fixfokus tatsächlich nur bedingt für diskrete Street- oder Naturfotografie geeignet – erschreckte, interessierte Gesichter oder Emotionen, die ich nicht recht zu deuten weiß, sind einem damit allerdings auf jeden Fall sicher. Wer diese Kamera aufgrund der Größe für ein Monster hält, sollte mal nach einer Abbildung einer Fairchild K-17 recherchieren.
Scans der Negative folgen in Kürze. Danke an Nicola für Kamera und vor allem den Rollfilm! Fehlt nur noch das passende Flugzeug – und jemand, der mir den Pilotenschein finanziert. Einen Privatjet nehme ich gerne dankend an :).
