EFKA 24 – die „Freiburger Leica“?

Wenn man sich mit der deutschen Kamerageschichte nach 1945 beschäftigt, landet man meistens schnell in Wetzlar, Stuttgart, Braunschweig. Doch direkt nach dem Krieg gab es auch in Freiburg im Breisgau ein kurzes, aber extrem spannendes Kapitel Kamerageschichte. Bevor dort in den 1950ern die bekannten Futura-Messsucherkameras entstanden, brachte die Optische Anstalt von Fritz Kuhnert 1947 erst die Efka 24 heraus.
Ein Modell 1 dieser seltenen Reihe lag vor Kurzem auf meinem Schreibtisch. Dann durfte die Kamera vermutlich nach Jahrzehnten das tun, wofür sie gebaut wurde. Der Zentralverschluss arbeitet auch noch nach Jahrzehnten zuverlässig und plausibel, daher habe sie mit einem Film geladen und filmgetestet.

Fritz Kuhnert hatte den Betrieb mitten im Krieg, im Jahr 1942, als Zulieferer für die Luftwaffe gegründet. Nach der totalen Zerstörung der Fabrik 1944 ging es 1946 in den Hallen der ehemaligen Lyta-Kinowerke an den Wiederaufbau. Da es an allem fehlte, holte man sich Know-how und die nötigen Werkzeugmaschinen aus Wetzlar. Das Ziel war von Anfang an klar: Eine hochwertige Kamera mit Wechseloptiken zu konstruieren, die eine echte, aber bezahlbare Alternative zur dominierenden Leica-Schraubkamera sein sollte. Der Messucher sollte erst später bei der Futura kommen, darum handelt es sich bei der Efka noch um eine Sucherkamera. Efka steht lautmalerisch für die Initialen F.K. des Gründers Fritz Kuhnert, während die 24 das Bildformat verrät.

Mein Modell trägt die Seriennummer 11042. Weil die Zählung im Werk damals bei 10001 begann, handelt es sich damit um das Exemplar 1042. Sie dürfte um 1949 vom Band gelaufen sein, als der Betrieb gerade einmal 30 Mitarbeiter zählte.
Wenn man die Kamera bedient, fällt sofort der ungewöhnliche Schnellaufzug auf. Dieser Die Efka 24 war die erste deutsche Kamera überhaupt, die den Filmtransport und das Spannen des Verschlusses über einen oben liegenden Hebel löste. Kuhnert ging sogar noch einen Schritt weiter und baute den Hebel einklappbar. Er verschwindet bei Nichtgebrauch flach im Gehäuse, was die Kamera ungemein kompakt macht. Der Verschluss selbst ist ein klassischer Compur-Rapid, der bis zu einer 1/500 Sekunde schafft.

Das wohl spannendste Merkmal der Efka ist ihr Bildformat von 24 x 24 mm. Was heute wie ein modischer Instagram oder Polaroid-Look wirkt, war 1947 reine Überlebensstrategie in der Nachkriegs-Mangelwirtschaft. Filmmaterial war extrem knapp, teuer und oft nur auf dem Schwarzmarkt zu bekommen, weil die chemischen Grundstoffe rationiert waren. Die verkleinerte, quadratische Bildbühne war ein genialer Schachzug: Statt der üblichen 36 Bilder holte die Efka nun stolze 50 Aufnahmen aus einer ganz normalen 135er Kleinbildpatrone. Das drückte die Kosten pro Einzelbild enorm und machte das Fotografieren im Alltag wieder bezahlbar. Heute macht es einfach großen Spaß, den Bildaufbau im Quadrat analog ganz neu zu denken.

Als Standardobjektiv kam bei diesem Exemplar das von Werner Giesbrecht berechnete Elor 1:2,8 / 40 mm zum Einsatz. Das Physikalische Institut Braunschweig bescheinigte dem Elor damals in offiziellen Tests eine hervorragende Abbildungsleistung, die dem berühmten Zeiss-Tessar kaum nachstand. Da das Objektiv durch das kleinere quadratische Format einen kleineren Bildkreis ausleuchten musste, liefert es eine knackige Schärfe und einen wunderbaren Kontrast bis in die Ecken. Bei den Namen seiner Optiken bewies Kuhnert übrigens Familiensinn: Das Elor wurde nach seiner Frau Eleonore benannt, während das seltenere, lichtstärkere Schwesterobjektiv Evar den Namen seiner Tochter Evi trug.

Das Modell 1 verzichtet noch auf eine Blitzsynchronisation, was der Kamera eine wunderbar cleane, puristische Linie verleiht. Günstig war die Kamera damals wohl nicht. Nach der Währungsreform kostete die Efka mit dem Elor-Objektiv stolze 234,- DM. Bei einem damaligen Durchschnittslohn von rund 250,- DM musste man dafür fast ein komplettes Monatsgehalt auf den Tisch legen, ein echtes Luxusgut. Am Ende holte die wirtschaftliche Realität das Werk ein. Trotz erster Exporte nach Frankreich und in die Schweiz sowie einem zeitweisen Exportanteil von 75 Prozent in die USA, musste Kuhnert Konkurs anmelden. Die Hamburger Reeder Ernst und Eduard Komorowski übernahmen die Firma und bauten unter dem Namen Futura Kamerawerk GmbH noch bis 1958 Messsucherkameras, bevor die Marke endgültig verschwand. Das macht dieses filmgetestete Modell 1 zu einer echten Rarität. Es ist vielleicht keine Leica, wenn man nach absolut fehlerfreier, maschineller Perfektion sucht, aber sie ist ein faszinierendes Stück deutscher Technikgeschichte der Nachkriegszeit.

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