VITOMATIC IIa mit ULTRON f2.0 / 50mm

Bei den VITOMATIC’s (Mitte) handelt es sich um kompakte, sehr massive und schwer gebaute Kleinbildkameras. Die Reihe steht am Ende einer langen Entwicklung, welche mit der Ur-VITO ihren Lauf genommen hat. Die Ur-VITO (rechts) war die erste Kleinbildkamera aus dem Hause Voigtländer und wurde kurz vor Kriegsausbruch auf der Leipziger Herbstmesse 1939 vorgestellt und deren Produktion kriegsbedingt wieder schell eingestellt. In der Nachkriegszeit entwickelt sich aus den Folgemodellen mit Balgen dem aktuellen Trend entsprechend 1954 die Tubuskamera VITO „B“ (links) in zahlreichen weiteren Variationen.

1957 kam, beginnend mit der VITOMATIC I, eine neue Modellreihe auf den Markt, welche in insgesamt vier Generationen erscheinen sollte. Viele äußerliche Erkennungsmerkmale, wie beispielsweise die kuriose Filmklappe, wurden beibehalten. Ebenso ungewöhnlich ist der Bildzähler auf der Unterseite oder die Einstellung der Filmempfindlichkeit am Objektiv. Wie bei anderen Kameraherstellern auch, sind die Modellvarianten vielfältig und auf den ersten Blick unübersichtlich. So muss man bereits bei der Vitomatic I und dem Nachfolger Ia unterscheiden, besitzt doch Letztere bereits eine Einspiegelung des Belichtungsmessers in den Sucher. Größere Unterschiede ergeben sich unter den Modellen I und II, denn dabei handelt es sich nicht wie schnell angenommen einfach um das Nachfolgemodell. Bei der „I“ handelt es sich um reine Sucher-, bei der „II“ aber um Messsucherkameras. Ab 1964 kam die optisch wie technisch überarbeite „b-Serie“ auf den Markt. Beispielsweise veränderte der Auslöser seine Position von oben nach Vorne. Der Bildzähler wurde verbessert, ein „Hot Shoe“ verwendet und der Belichtungsmesser nun generell eingespiegelt. 1966 kam die letzte Generation der Reihe auf den Markt. Diese unterscheidet sich unwesentlich von der vorangegangenen „b“-Serie, verwendet aber statt der Selenzellen, welche heutzutage durch Alter und Feuchtigkeit nicht mehr alle funktionieren, nun eine CDS-Belichtungsmessung. Die Kameras benötigen daher zu Zwecken der Belichtungsmessung nun eine Batterie. Neben der Vito und Vitomatic erschien noch die Reihe der Vitoret. Dabei handelt es sich aber um eine abgesteckte Einsteigerkamera ausgestattet mit einem einfachen Lanthar.

  • 1. Generation: I (Sucher) und II (Meßsucher) ohne Einspiegelung
  • 2. Generation: Ia und IIa mit Einspiegelung in den Sucher
  • 3. Generation: Ib, IIb und IIb – neues Design und diverse Veränderungen
  • 4. Generation: ICS, IICS und IIICS – wie Serie „b“, allerdings mit CDS-Belichtungsmessung

Die heute (noch) sehr günstigen Modelle verfügen in der Regel über ein Color-Skopar 1:2,8/50. Dabei handelt es sich bereits um einen Vierlinser mit langer Tradition und gutem Ruf. Modelle mit dem sechslinsigen Spitzenobjektiv ULTRON werden deutlich höher gehandelt. Bei dem gezeigten Modell handelt es sich um das späte Modell einer Vitomatic IIa mit ULTRON f2.0 50mm, welche zwischen 1961-63 gebaut wurden. In dieser Ausstattung kostete die Kamera seinerzeit etwa 439 DM. Trotz ihrer kompakten Baugröße wiegt die Kamera in dieser Kombination fast 780 Gramm. Als spätes Modell hier ohne Trageriemenhalter und mit einem Prontor 500 SLK-V Zentralverschluss. Das Objektiv wurde von Albrecht Wilhelm Tronnier für Voigtländer berechnet. Tronnier war ein bedeutender deutscher Konstrukteur von Optiken, unter dessen Leitung unter anderem namhafte Objektive wie das XENAR, XENON oder NOKTON entstanden. Das ULTRON, eine Weiterentwicklung vom XENON, ist bekannt dafür schon offenblendig sehr scharf zu zeichnen. In seiner Abbildungsleistung war es den Filmemulsionen seiner Zeit bereits überlegen. In der Nachfolge erschien das ULTRON noch abgewandelt unter Carl Zeiss und Rollei. Kuriosum bleibt die konkave Frontlinse der zweiten Generation.

  • 1. Generation: Ultron von Voigtländer ohne konkav gekrümmtes Frontelement
  • 2. Generation: Ultron von Carl Zeiss mit gekrümmten konkaven Frontelement
  • 3. Generation: Color Ultron von „Voigtländer“ (Rollei) mit weniger gekrümmten konkaven Frontelement.

Wie auch bei der VITO B wird der Verschluss nicht über den Spannhebel gespannt. Dies geschieht über die von der Filmperforation angetriebene Mittelwalze im Innern der Kamera. Sollte dies als möglicher „Defekt“ deklariert sein, sollte man wissen, dass eine funktionsfähige Kamera ohne Film gar nicht auslösen kann. Zum Test kann die Mittelwalze auch per Hand weitertransportiert werden.

Interessant und erwähnungswert ist der helle und große Sucher der Vitomatic-Reihe. Dabei handelt es sich um einen 1:1 Sucher mit Kristall-Leuchtrahmen. In der Praxis bedeutet dies, dass beim fotografieren beide Augen offen bleiben können und man einen guten Überblick über das Umfeld und Geschehen behält. Das macht die Kamera in Kombination seiner kompakten Größe für analoge Streetfotografie interessant.

Mit dem Werbeversprechen „Nur sehen – nur drehen“ beschrieb Voigtländer die einfache Belichtungsautomatik. So müssen im Sucher nur beide Zeiger in Übereinstimmung gebracht werden um das Foto korrekt zu belichten. Alternativ kann die Belichtungsmessung auch durch das obere Sichtfenster abgelesen werden, welches bei späteren Modellen verschwindet.

Weitere Testfotos unter folgendem Link bei flickr: https://flic.kr/s/aHsmXfkvVm

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